Eine kurze Beschreibung der Geschichte des Deutschen Ordens finden Sie hier.
Peter Rigler wird heute als geistiger Vater, Erneuerer und zweiter Gründer des Deutschen Ordens bezeichnet. 1841 trat der Trienter Professor in der Deutschhauskirche von Bozen in den Orden ein.
Bereits 1842 wurde er zum Geistlichen Leiter der Tiroler Schwesterngemeinde ernannt. In dieser Funktion arbeitete er an der Redaktion der Regeln der Schwestern vom deutschen Haus Sankt Mariens zu Jerusalem mit, die 1854 von Papst Pius IX. bestätigt wurden.
„Jede trage der anderen Last – im Geiste wahrer Sanftmuth“
Peter Rigler in der Schwesternregel von 1854
Rigler musste sein Amt als Professor in Trient 1854–55 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und zog sich nach Lana in den Pfarrhof von St. Anna zurück. Er gründete eine Konventsgemeinschaft, in der die Ordensbrüder gemeinsam leben, arbeiten und beten konnten. Für das Zusammenleben als geistliche Gemeinschaft verfasste er die Regel der Conventsbrüder des deutschen Hauses und Hospitals Unserer Lieben Frau zu Jerusalem, die Papst Pius IX. am 7. Juli 1871 mit dem Breve Pia Sodalitia approbierte. Er entwarf damit für die Deutschordensbrüder jene Form des Gemeinschaftslebens, das sie bis heute pflegen.
„Freilich müssen die Regeln nicht bloß dem Buchstaben nach verstanden und beobachtet werden; weit mehr noch muss man ihren Geist erkennen und erfassen. Der Gehorsam gegen äußerliche Satzungen hat weder Wert noch Dauer, wenn der Geist abgeht, der allein belebt. So war es im Mosaischen Gesetzt;
so ist es in der Ordenssatzungen.“
Peter Rigler an die Deutschordensschwestern in der Satzung von 1866
Riglers Texte und Gedanken haben über verschiedene Wege Eingang in die Spiritualität des Deutschen Ordens gefunden. Einige Beispiele stellen wir Ihnen hier vor.
Der Deutsche Orden wurde während des dritten Kreuzzuges 1190 in Akkon gegründet. Er ging hervor aus einem Feldlazarett, das Kaufleute aus Bremen und Lübeck für Kranke und Verwundete errichteten. Dieses Ursprungscharisma des Deutschen Ordens wird heute mit dem Leitwort Helfen und Heilen zusammengefasst.
Peter Rigler trug wesentlich dazu bei, dass der Deutsche Orden im 19. Jahrhundert seinen Gründungsauftrag wieder entdeckte und ihn nach den Bedürfnissen der Zeit neu interpretierte. Während der Kriege von 1859, 1864 und 1866 errichtete der Orden wie zur Zeit der Gründung Feldlazarette, ab 1865 wurden zusätzlich auch Zivilspitäler eröffnet. In der Folge wurde der Deutsche Orden wieder vermehrt als Hospitalgemeinschaft wahrgenommen. Anerkennung und Wertschätzung erfuhr der Ritterorden darüber hinaus jedoch vor allem über die wiederbegründete Gemeinschaft der Deutschordensschwestern, deren Gründungscharisma wesentlich in der Sorge um Kranke und Bedürftige lag.
Peter Rigler begleitete und prägte diese Entwicklung intellektuell, theologisch und spirituell. In den Feldlazaretten von 1859 und 1866 in Lanegg übernahm er selbst die geistliche Leitung.
Peter Rigler erkannte soziale Probleme und versuchte Antworten auf die drängenden Fragen seiner Zeit zu geben. Bereits vor seinem Eintritt in den Deutschen Orden kümmerte er sich in Trient um Jugendliche in der Stadt, für die er verschiedene Einrichtungen gründete. Diese Tätigkeit setzte er später nach seinem Ordenseintritt auch an anderen Orten fort. Der Ansatz Riglers war dabei immer ganzheitlich und betrachtete den Menschen als Wesen mit gleichsam geistigen und materiellen Bedürfnissen. Um die Not eines Menschen erkennen und verringern zu können, so war Rigler überzeugt, müssten diese stets in gleicher Weise gestillt werden.
“Alles Tugendstreben im gegenwärtigen Leben besteht darin, dass die Gerechtigkeit mit Klugheit verwirklicht wird.”
Peter Rigler
“Die Liebe ist die Seele der Gerechtigkeit”
Peter Rigler
„Die erlösende Liebe und Barmherzigkeit für die Menschen erfahrbar zu machen, ist bis heute der Auftrag in den Einrichtungen des Ordens, in denen Menschen unterschiedlicher Altersstufen betreut werden, in Schülerheimen, Einrichtungen der Pflege und Betreuung, aber auch in Schulen, Kindergärten und nicht zuletzt in unseren Konventen und Pfarreien. Es ist letztlich das gleiche Bemühen, das schon Rigler vorgelebt hat, die Ideale der Gründer vor Akkon in die jeweilige Zeit und ihre Gegebenheiten zu übertragen, Helfen und Heilen erfahrbar zu machen.“
Hochmeister Frank Bayard
Aufgrund der Verbundenheit Peter Riglers zu jungen Menschen trägt das im Jahr 2010 eröffnete Studentenheim des Deutschen Ordens in Bozen seinen Namen. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Weggensteinkommende bietet es derzeit Platz für 91 Studierende der Universität Bozen. Nähere Informationen finden Sie hier.
