Peter Rigler arbeitet mehr als 50 Jahre als Priester. Er war Lehrer der Theologie, Spiritual und Exerzitienleiter, er leitete Knabenkonvikte, predigte an vielen Orten und war ein gesuchter geistlicher Ratgeber. 30 Jahre war er geistlicher Leiter des Deutschordens-Schwesterninstituts, fast 20 Jahre stand er den neu gegründeten Priesterkonventen vor. Es sind an die 2000 Briefe erhalten, die zeigen, wie viele unterschiedlichen Menschen aus allen Bereichen des Lebens bei ihm Rat suchten und fanden.
Rigler war von 1825 bis 1854 mit kleinen Unterbrechungen Spiritual am Priesterseminar in Trient. Er nährte seine Spiritualität aus den biblischen Schriften, in denen er Christus begegnete; daneben war die Liturgie entlang des Kirchenjahres eine wesentliche Quelle. Beide Quellen vermittelte er wie einen Schatz, den er im Herzen trug und aus dem er auswendig zitierte. Allen seinen Ausführungen von Vorträgen, Predigten, geistlicher Einkehr u. ä. legte er Aussagen der Hl. Schrift zugrunde oder führte darauf hin.
Am Morgen war die erste Stunde seines frühen Tages dem stillen Gebet mit dem Wort Gottes gewidmet, während des Tages unterbrach er seine Tätigkeit immer wieder für das Gebet und das kurze Herzensgespräch mit dem Herrn.
Ein Zeitzeuge berichtet: „Wie oft fand ich ihn zur Zeit, wo niemand in der Kapelle war, dort in einem verborgenen Winkel in tiefe Betrachtung versenkt; und wenn er so von den Stufen des Altars her kam, uns einen Vortrag oder eine Betrachtung hielt, wie warm und von welchem Geiste beseelt war jedes seiner Worte.“
Für die Begleitung von Priesteramtskandidaten und Ordensleuten orientierte er sich selbst an den geistlichen Schriften besonders von Lorenzo Scupoli, Thomas von Kempen, Ignatius von Loyola, Franz von Sales, Vinzenz von Paul oder Alfons Maria von Liguori. Er kannte viele Geschichten von Heiligen, aus denen er das Beispiel gelebten Glaubens entnahm.
Der spätere Rektor des Trientner Priesterseminars Graziano Flabbi schrieb über Rigler: „Quest'uomo dotto e Santo è stato per mezzo secolo la stella polare dei Chierici del Seminario e del Clero della Diocesi. – Dieser gelehrte und heilige Mann war ein halbes Jahrhundert lang der Polarstern der Seminaristen und des Klerus der Diözese.”
Er war auch ein Polarstern für die Ordensleute und für viele Laien in der Diözese Trient; sein Licht leuchtete bis nach Wien, Olmütz und Schlesien. Unzähligen Priestern, Ordensleuten und Laien wurde er zum sicheren Begleiter im geistlichen Leben.
Einige wenige Beispiele zeigen, welche Akzente Peter Rigler in seiner Spiritualität setzte.
Das Hauptgebot der Liebe war für den Professor der Moraltheologie besonders wichtig. Peter Rigler vermittelte es nicht einfach theoretisch. In der Erklärung der Ordensregeln für die Deutschordensschwestern sagt er: „Das Beispiel vom barmherzigen Samariter (und auch 1 Kor 13,4-7; 1 Joh 4,20–21; Mt 7,12; 1 Joh 3,14–15) kann den Schwestern und durch sie den Kindern nicht genug ans Herz gelegt werden“ (S. 60)
Es war sein ständiges Bemühen, den Glauben in der konkret gelebten Liebe wirksam werden zu lassen sowohl für sich in seinem persönlichen Leben als auch aus den Herzen anderer. Den Schwestern in der Krankenpflege trug er auf, in den Kranken Jesus Christus selbst zu erkennen, dem der Liebesdienst erwiesen wird.
Als Peter Rigler in den deutschen Orden eintrat, bat er, weiterhin nach den Regeln des Hl. Vinzenz von Paul leben zu dürfen. Er war von dessen liebender Hingabe für die Menschen beeindruckt und wollte wie er, Christus den Herrn, nachahmen, besonders in der Sorge für Armen und Kranke. Im Neuen Testament strahlt das Beispiel Christi auf, daher wollte auch er täglich einen Abschnitt lesen und meditieren.
1868 veröffentliche Peter Rigler für die Schwestern ein Gebetbuch, das auch die Laienbrüder im Orden verwendeten. Darin sagt er programmatisch: „Das geistliches Leben ist das Innewohnen und Wirken des heiligen Geistes in einer durch die heiligmachende Gnade mit Ihm innigst vereinigten Seele.“ (Das Geistliche Leben, S. IX) Die Kraft eines Lebens aus der Beziehung mit Gott war Riglers Herzensanliegen. Er entwickelte Wege und Möglichkeiten, um diese Beziehung für sich selbst zu leben und anderen zu vermitteln. Katechesen, Vorträge, Predigten, Einkehrtage, Exerzitien, das geistliche Gespräch, Briefe, auch seine Vorlesungen und sein Unterricht – alle Zeugnisse seines Wirkens haben das eine im Blick: Christus finden, den Weg seines Kreuzes verstehen, in Liebe folgen, getragen von der Kraft der göttlichen Gnade und Liebe.
Im August 1867 war Peter Rigler zur Erholung von einer schweren Erkrankung in Schlesien. Sein Begleiter schreibt in der Chronik des Konventes, dass er damit auch dem ersehnten Wunsch der Deutschordensschwestern entsprochen hat, ihn nochmals zu hören und zu sehen. Dabei habe er „quasi letzte Worte“ an sie gerichtet. „Der Vater mahnte im Sinne von Gal 6,2: Einer trage des anderen Last. Die Schwestern empfanden diese Worte wie ein Testament.“ Diesen Gedanken unterstreichen auch ihre Regeln im Kap. XXIX,1 und 2. Dort ist die Rede, dass sie dies im Geiste der Sanftmut tun mögen (vgl. SrRegeln 1854/Ausgabe 1866, XXIX 1 und 2 u. a., S. 27–28). Die Einladung klingt in heutiger Sprache so:
Alle mögen sich bemühen, im Geist wirklicher Sanftmut, in wirkkräftiger geschwisterlicher Liebe, Eintracht und Einmütigkeit miteinander zu leben, so dass von ihnen gesagt werden kann: „Siehe, wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder [und Schwestern] miteinander in Eintracht wohnen.“ (Ps 133,1). Es soll sich niemand als besser halten, vielmehr in Bescheidenheit und Demut einander Vorbild sein und dienen. „Einer trage des Anderen Last“, (Gal 6,2) soweit es geht. Alle mögen dem Rat des Apostels folgen, einander ehren und achten, nichts Böses tun, auf das respektvolle Reden achten und allen Menschen gegenüber auf das Gute bedacht sein (vgl. Röm 12,1–17).
„Heilig seien dir die Rechte eines jeden Mitmenschen.“ - Peter Rigler
